Seinerzeit
waren die Eidgenossen natürlich auch nicht so niedlich,
lieb und nett, wie sie uns heute oftmals erscheinen. Aber
im Gegensatz zu den Neandertalern standen es sich die Emmentaler
extrem auf Milch und Milchprodukte. Die Butter hatten sie
längst erfunden, auch wenn sie damals noch – wie
auch heute noch in manchen Teilen des deutschsprachigen Raumes
üblich – der Butter sagten. So saß Emmentaler
neben Emmentalerin in der Urhöhle, diskutierten das Höhlengleichnis
und fanden es völlig daneben, da es so gar nichts mit
ihrer täglich erlebten Realität zu tun hatte und
die Emmentalerin sagte zum Emmentaler: „Gib mir bitte
den Butter herüber!“ Man sieht auf dieser Dokumentaraufzeichnung
auch schon einen Hang zur Höflichkeit, die sich bei den
Neandertalern so nicht manifestierte. Trotzdem war der Butter
damals noch männlich und das Wüsteste: Die Emmentaler
hatten ihren Käse noch nicht erfunden. Stell sich das
einer vor: Das Emmental, die Emmentaler und Emmentalerinnen
und kein Emmentaler?
Genosse Gliederich hatte nun eines Tages eine Eingebung, er
sagte zu seiner Frau „Seenerinn, geh her do!“
und sie machten ein Kind. Während sie sich urstöhnend
austobten hatte Gliederichs kleiner Bruder, Schnabelfurz eine
andere Idee: Er könnte etwas großes für die
Welt tun, da er selber leider so kleinwüchsig war! Schon
bei seiner Geburt war er ein schmächtiger Wicht mit einer
viel zu großen Nase, deshalb nannten sie ihn sogleich
Schnabelfurz. Trotzdem oder gerade deswegen hatte er ein Problem
mit seinem Namen, mit seinem Leben und mit seinem Sein. Nur
mit Gabriele aus dem Nachbardorf hatte er kein Problem, die
sommersprossige Gabriele mochte ihn auf ihre etwas absonderliche
Art. Er mochte sie auch obwohl sie schlecht roch. Früher
hatte sie eine Liaison mit Gliederich, aber das würde
uns an dieser Stelle zu weit führen.
Nun also wollte Schnabelfurz großes! Leider gab es damals
keine dicken Autos, nur wenige Phallussymbole und schon gar
keinen Bundeskanzlerposten. Was sollte er da tun? Der Oberemmentaler
war ein alter Knacker, da konnte und wollte er nicht mit,
denn Schnabelfurz war jung und dynamisch, in unserer Zeit
ginge er sicher in die Politik. |
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Damals war das leider nicht möglich, Schnabelfurz war
unglücklich, bis die schlechtriechende Gabriele zu ihm
sagte: „Nunu mach doch wax!“ Wie man sofort merkt,
roch Gabriele nicht nur scheißlich, sondern hatte auch
noch einen Sprachfehler: Sie konnte kein s sprechen, es wurde
bei ihr immer ein x. Manche fanden das charmant, andere abstoßend.
Schnabelfurz war es egal, ihm war das noch nicht einmal aufgefallen,
er war nicht der Schlaueren einer. Aber einerlei, auf alle
Fälle sagte Gabriele zu ihm: „Nunu mach doch wax!“
und der Jüngling verstand natürlich Wachs, denn
das sagte Gabriele irgendwie ja auch und Schabelfurz sah ihre
Ansage als Aufforderung, Kerzenzieher zu werden. Wie das zu
bewerkstelligen sei, war ihm nicht so ganz klar, aber er hatte
ja Zuhause eine Kuh, Schwester Mechthild geheißen, mit
der konnte er das ja mal in Ruhe beratschlagen.
Abends
im Stall gab natürlich die mächtige, weil tragende,
Schwester Mechthild keinen Ratschlag, sie war viel zu sehr
mit trächtigsein beschäftigt, der Vater war übrigens
der auswertige Bulle Guraz, dafür gab sie literweise
Milch. Diese Milch von Schwester Mechthild spritzte aber vielerteils
neben den Auffangbehälter. Das überforderte das
primitive Gehirn von Schnabelfurz, sabbernd begann er seine
Zunge zwischen die wülstigen Lippen zu schieben und daran
herumzukauen. Begleitet war dieses Schauspiel von einem starren,
verwirrten Blick der stumpfsinnig in die Milchpfütze
stierte. „Nunu!“ entfuhr es ihm in einem Anfall
von Emotion, seine Hand zwischen seinen Beinen spielend und
hatte die Idee, das er aus Milch Wachs produzieren könnte!
„Tolltoll!“, murmelte er und begann wie ein Begnadeter
zu experimentieren. Und siehe da: Nach einiger Zeit der diversesten
Versuche hatte er es: Eine feste Masse, nur brennen wollte
sie nicht so gut, dafür stank sie deftig, das erinnerte
ihn an Gabriele, das mochte er. Wie aber dann allmählich
das Futter zur Neige ging dachte er sich „Nunu!“
und biss in die gelbe Masse die er da produziert hatte und
potzblitz: Das schmeckte schweinereimäßig gut.
Sofort ging er in den Stall, klopfte Schwester Mechthild auf
die Schultern und sagte |
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oftmals:
„Pfoooh!“ und „Nunutolltoll!“ und
freute sich. Das war wirklich ein grandioses Teil geworden
und am nächsten Morgen lief er sofort zum Oberemmentaler
und zeigte ihm seine Erfindung, nunute ein bisschen herum
und gab dem Oberemmentaler mit den Worten „Käs!
Käs!“ eine Scheibe seiner Erfindung. Eigentlich
wollte Schnabelfurz „Iss! Iss!“ sagen, nur hatte
Schnabelfurz einen noch größeren Sprachfehler als
Gabriele, deshalb kam nur „Käs! Käs!“
raus. Der Oberemmentaler verstand ihn dennoch und begann zuerst
vorsichtig, dann immer begeistertet zu essen. Das Leuchten
in den Augen des Oberemmentalers freute Schnabelfurz und er
sagte sich: Ich habe es geschafft! Ich bin also jetzt offensichtlich
Futtererfinder, also ein ganzer toller Kerl!
Doch da geschah es: Der Oberemmentaler biss auf ein Loch im
Käse! Durch den fehlenden Beißwiederstand schlugen
die Kiefer des Oberemmentalers mit solcher Wucht aufeinander,
dass einige seiner Zähne brachen und er aufschreiend
das gelbe Teil von sich warf. Voller Zorn warf er sich auf
Schnabelfurz und richtete ihm „die Waden vorwärts“
wie man so schön sagt, denn wie bereits eingangs erwähnt
waren seinerzeit die Eidgenossen natürlich auch nicht
so niedlich, lieb und nett, wie sie uns heute oftmals erscheinen.
Der Oberemmentaler war dermaßen zornig, dass er den
armen Schnabelfurz hinauswerfen ließ und dieser völlig
geknickt, hängenden Kopfes seiner Wege ging und das Emmental
verließ und ein Drautaler wurde. Dort erfand er dann
auch den Drautalerkäse und wurde ob dieses kulturellen
Meilensteins einer der angesehensten Urmenschen im Drautal,
obwohl er ein Fremdling und noch dazu häßlich war.
Ebenso wurde seine Frau, die stinkende Gabriele bei allen
annerkannt, den die Drautalerkultur war der Emmentalerschen
weit voraus, der Butter hieß dort auch bereits die Butter.
Aber wenden wir unseren Blick zurück ins rückständige
Emmental:
Schnabelfurz war hier völlig vergessen und auch, wie
man Käse produziert. So kam es, dass der Emmentaler nie
erfunden wurde, und jetzt alle Drautaler essen. Sogar die
Emmentaler und Emmentaler essen Drautaler, was sollten sie
auch sonst tun? |
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