dj trashterrier

DJ KOSMOPROLET

     

dj trashterrier

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

dj trashterrier feat. derhunt

fotos: molin? rhiz!

Das DJn von dj trashterrier und DJ Kosmoprolet
von Karl Kilian


Es gibt schon seit geraumer Zeit verschieden spezialisierte DJ’s & DJ’ns welche sich selber (oder von außen) als Techno-DJ’ns, Drum-& Base-, R&B-, Elektronika- etc. DJ’ns bezeichnen. Es gibt mittlerweile in unserer Hemisphäre für jede Musikrichtung, –epoche oder –stil spezialisierte PlattendreherInnen. Zu diesen gehört weder dj trashterrier noch DJ Kosmoprolet. dj trashterrier bezeichnete sich selber in einem Interview einmal als „psychologischen DJ“ und meinte damit, dass er sich „auf die Stimmung des Publikums einlässt“, die „Gedankenbrücke zu meinen ZuhörerInnen“ sucht und sich so „durch den Abend dirigieren“ lässt. Das wäre auch der Grund warum er „immer scheiße viel Platten und CD-Kram“ zu seinen Auftritten mitschleppen muss, weil er natürlich keine Ahnung hätte, wohin ihn der Abend musikalisch führen könnte. Denn er verweigere sich „jeder musikhistorischen“ Kategorisierung. Da könnte „auf feinst ausgeklügelte russische Elektronika oder Transakustik durchaus Biene Maja oder Poulence oder die Dead Kennedies“ folgen. Wie dj trashterrier selber sagt: „Die Spannung meines Auflegens geht von der Unvorhersehbarkeit des folgenden Liedes aus. Wie ein Kollege – dexter sinan – auch mal sagte, und ich nehme das durchaus als Kompliment: ‚Ich hab noch nie jemand auflegen gehört, der seinem Publikum soviel Aufmerksamkeit abfordert.‘ Und genau das ist es: Wenn ich jetzt den Soundtrack zu – sagen wir mal – Dallas spiele, dann sind für einen kurzen Moment alle Beteiligten in ein Zeitloch gerissen: Ich gebe ihnen die Emotionen, die sie hatten, als sie früher Dallas sahen. Das ist für mich ‚psychologisches Auflegen‘. Zugleich ändere ich natürlich die Energie im Raum, verlasse die Pfade eines gefälligen Unterhaltungsdj’s, ‚penetriere‘ sozusagen meine Zuhörerschaft. Ich lasse sie nicht in Ruhe, ich will was von ihnen! [...] Ein anderes Phänomen das ich benutze ist das nicht-genau-Wissen und das Rätseln der Hörerschaft, was das jetzt für eine Nummer eigentlich ist, die ich da spiele. Bis dann im Schlaf der Knopf auf geht und – ‚Oh lala! Pfooo ey, der DJ hat’n Kanll! Das ist ja das Theme von Psycho!!! Scheiß mich an!‘ Ich muss gestehen: Das ist die reinste Lust.“
Soweit also dj trashterrier zu seiner ‚psychologischen Auflege‘. Zugleich ergibt sich natürlich die Frage nach der Beliebigkeit solcher Auftritte. Hier springt DJ Kosmoprolet (obwohl sich die beiden eigentlich nicht leiden können, Kosmoprolet bezeichnet trashterrier gern als „pseudointelektuellen Hirnwixer“, umgekehrt nennt ihn trashterrier einen „blöden suffköpfigen Vollproleten der übelsten Sorte, der seine Schwäche zur Kompetenz erklärt hät“) in einem Interview der beiden auf einem Moskauer Festival bei und meint:
„Nein, mit Beliebigkeit hat das absolut nichts zu tun! Denn neben dem Musikstil, der Beatanzahl, der musikhistorischen Zuordnung usw. gibt es eine – nennen wir es mal ‚metaenergetische Ebene‘. Diese metaenergetische Ebene verbindet verschiedene Stücke, egal welcher Stil oder welche Musikrichtung oder Melodie sie zuzuzählen sind. Diese Metaenergie kann sich sowohl anziehen oder auch abstoßen. Daraus entsteht das Spannungsmoment. Wenn ich jetzt mal ganz grob in Musikrichtungen spreche, dann wäre zum Beispiel die Gemeinsamkeit von Dixielland, Punk und in letzter Konsequenz Noise hervorzuheben. Wo wir wiederum bei einigen frühen Stücken von Stockhausen wären, oder auch bei seinen umstrittenen Äußerungen zum Anschlag am 11. September oder auch der allgemeinen Instrumentalisierung von Macht. Man könnte ungenau betrachtet von einem ‚Assozistionsgefüge‘ sprechen. In Wirklichkeit geht es aber um besagte Metaeben der Musik, die man erkennt oder auch nicht. Sie ist auf alle Fälle für das Publikum gefühlsmäßig wahrnehmbar. Und das ist auch die Crux: Es ist kein rationelles Ding und somit nur unzureichend sprachlich vermittelbar. Ich selber nenne das auch manchmal scherzhaft ‚postmodernes Auflegen‘, weil die Mischung alles Stile und der ironische Bruch durchaus vorhanden ist. Andererseits ist es eben nicht Beliebigkeit im Sinne von ‚anything goes‘. Natürlich geht alles, und der/die DJ’n darf auch prinzipiell alles, auch zwei – auch energiemäßig – sich widersprechende Tracks spielen. Selbstverständlich auch gleichzeitig. Auch drei oder mehr. Völlig egal. Es muss nur geil sein. – Es geht um die Gesamtenergie im Raum und da muss man alles versuchen um die Leute zu kriegen. Ich will mein Publikum auch mal schrecken und verwirren, nur damit sie aus sich rauskommen. Ich will oberfette Party! Denn ich sehe mich immer als Unterhalter. Das ist auch der Grund dafür, warum ich so eine Rampensau bin. Ich freu mich, wenn die Menschen tanzen und glücklich sind und die Sau rauslassen. Ich will dem Publikum nichts beibringen, dass überlasse ich dem Schwachkopf da (deutet mit dem Kopf auf dj trashterrier der ihm daraufhin eine Verkehrte betoniert). (Replik dj trashterrier: ‚Als ob ich’s nicht geil finde wenn alle tanzen, du Trottel!‘)“ (aus dem Russischen vom Verfasser).
Soweit also die beiden Begriffe „psychologisches Auflegen“ und „postmodernes Auflegen“. Wobei ich als abschließende Bemerkung – da ich die Standpunkte der beiden etwas idiosynkratisch finde – darauf hinweisen möchte, dass die beiden DJ’s nicht soweit von einander entfernt sind, wie sie vielleicht gerne hätten. In einer drei-monatigen Studie habe ich mir die Sets der beiden haarklein mitgeschrieben und muss sagen, dass hier einige Übereintimmungen bestehen. Ebenso ähnelt sich ihr Habitus hinter den Decks (Herumtanzen, Saufen, Lachen, Verstrahlt sein) frappant. Auch vom Aussehen her ähneln sie sich, insbesondere,was ihre häßlichen Seiten betrifft.
Das alte Lied: 2 sich sehr ähnliche Systeme stoßen einander in gegenseitiger äußerer [Streit] oder innerer [Ignoranz] Mißachtung ab (vgl. dazu meine Arbeit über die Beziehung Österreich-Schweiz und Deutschland-Polen).
Außerdem sei noch darauf hingewiesen, dass die beiden sogar gemeinsam für rasputinrecords hurenschädl eine CD kompiliert haben (target trash # 5 – Dracula Land – the romanian connection). Auch wenn fairer Weise dazu gesagt werden muss, dass dj trashterrier danach flugs Richtung Südamerika verschwunden ist „um humanistische Hilfe vor Ort“ zu leisten, während DJ Kosmoprolet fast 2 Wochen im Krankenhaus gelegen hat um sich von seinen Verletzungen zu erholen. O-Ton Kosmoprolet: „Die erwisch ich noch, die SAU!“
Als Abschluss sei auf verschiedene Auflege-Serien in Wiener Locations verwiesen, in denen die beiden ihre Konzepte live umzusetzen versuchen:
DJ Kosmoprolet: Disco Club Proletarskij
dj trashterrier: club moustache (U-Club, Karlsplatzcafé Otto Wagner-Pavillion)
Die Sendung mit der Zombiemaus (rhiz – bar modern)
Chill my rockin lovemachine (rhiz)
jmn – japanese music night (rhiz, fluc)
as a Part of Diskokombinat im wirr-Untergrund [wirr]

     
         
         
         
 

 

„When you are on my party you should feel
like making love in a refrigerator
till the frige explodes!“
DJ Kosmoprolet


The Primitive Dance Floor
Von Karl Kilian


Anfang des dritten Jahrtausend machte das Kürzel „PDF“ seine Runde. Es stand (und steht) für „Primitive Dance Floor“. Es ist dies die Art von Veranstaltung, wie sie DJ Kosmoprolet erfunden hat. Durch seinen postmodernen Auflegestil entwickelte sich eine weitere Ebene heraus:
Die der einfachen – sogenannten primitiven und antidiskursiven (im Kontext aber wiederum diskursiven) Musikstücke. Es handelt sich dabei um Stücke, die ein normale DJ in bestimmten Locations niemlas auflegen würde bzw. sogar dürfte, da er jede Credibility der Szene (bei DJ Kosmoprolet eine linke Independent-Undergroundszene) verlieren würde. Sein Publikum würde ihn für Wahnsinnig halten oder ihn einfach kalt machen. DJ Kosmoprolet überschritt damit klar eine Grenze (Als Beispiel sei hier Milli Vanilli mit „Girl you know it’s true“ genannt).
Durch sein scheinbar unzusammenhängendes Auflegen, das seinen Spannungsbogen über eine musikalische Metaebene entwickelt (vgl. dazu den Artikel: Das DJn von dj trashterrier und DJ Kosmoprolet) wurde es möglich, sämtliche Genregrenzen hinter sich zu lassen. So wurde es aber auch möglich, dass, der Raumenergie folgend, auf eine IDM-Nummer die Titelmelodie von Pinocchio mit anschließendem Dialog zwischen Pinocchio und Gina folgte. Das verwirrt die RezipientInnen, macht sie aber auch aufmerksamer. Denn das Ziel von DJ Kosmoprolet war immer: „TO ROCK ASS!!!!“ Und dabei ist kein Mittel zu gering. Und wenn dann die Menge tanzt, singt, sauft, johlt und jubelt, dann erst geht’s richtig los: dann folgt auf einen Saul Williams durchaus Bluegrass und darauf Gogol Bordello, dann Punk, Ukrainische Folklore, J-Pop oder Gabba. Dabei werden die ZuhörerInnen wahnsinniger und wahnsinniger. Ein schwitzender post-techno und Ambient Hexenkessel. Dafür wurden die Räume in denen DJ Kosmoprolet spielt immer größer, sein Primitive dance floor etablierte sich zusehends und macht die Menschen weltweit in Tanzekstase glücklich.
DJ Kosmoprolet: „On the Primitive Dance Floor - There are no borders!“

 

dj kosmoprolet